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Winterschutz

Der Winterschutz ist eine heikle Sache und muss immer im Bezug auf das vorhandene Mikroklima und dem Standort angepasst werden!
Der beste Schutz wäre eine natürliche, dicke Schneedecke, welche sich über den ganzen Winter hält. Dies ist bei uns in Mitteleuropa aber selten der Fall. Häufig wechseln sich Kälteperioden mit Barfrost und Wärmeperioden mit Regen ab. Nur selten liegt eine dauerhafte Schneedecke. Unter solchen Umständen können ansonst winterharte Pflanzen recht empfindlich reagieren.

Hamamelis 'Arnold Promise'Gehölze, welche früh in Saft gehen und danach sehr frostempfindlich sind kann man nur sehr schwierig und nur mit hohem Arbeitsaufwand schützen. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Olive. In Saftruhe recht frosthart ist sie zum Frühjahr hin sehr empfindlich. Bereits bei geringen Minusgraden kann es zu Rindenplatzern kommen. Im kontinentalen Klima hat sie meiner Meinung nach eher eine Chance als hier in der Steiermark.
Andere Gehölze wie z.B. Kiwi oder Pieris haben relativ frostempfindliche Neutriebe, welche durch Spätfrost zerstört werden können. Allerdings erholen sich die Pflanzen wieder sehr gut davon und treiben erneut rasch aus. Typische Spätfrostlagen sollten für solche Pflanzen aber gemieden werden.
Immergrüne Gehölze empfehle ich im ersten Winter zu mulchen und wenigstens für eine Schattierung mit Reisig zu Sorgen, um Frosttrocknis vorzubeugen. Besonders wichtig ist das meiner Erfahrung nach bei Kamelien!
Pflanzen mit brüchigem Holz sollten unbedingt von der Schneelast befreit werden.

Für Stauden gibt es verschiedene Schutzmaßnahmen:

  • Frostempfindliche Stauden die einziehen sollten gemulcht werden um eine ständige Schneedecke zu simulieren.
  • Bei organischen Mulchmaterialien ist es das einfachste mit demselben Material zu mulchen und es im Frühjahr über die Fläche zu verteilen.
  • Bei mineralischem Abdeckmaterial verwendet man am besten Gewebe aus Kokosfasern, Vlies oder auch nur alte Decken und andere Textilien um die Flächen nicht unnötig zu verschmutzen.
  • Einige Stauden wie Agapanthus sind empfindlich gegenüber starker Feuchtigkeit. Deshalb decke ich die Pflanzfläche zusätzlich mit Folie oder Bauvlies ab.
  • Andere Pflanzen wie Pampasgras oder empfindlichere Sorten von Fackellilien kann man vor übermäßiger Winterfeuchtigkeit durch einfaches zusammenbinden schützen.

Einige Stauden aus Trockengebieten kultiviere ich zusammen mit meinen Musa basjoKakteen und Sukkulenten mit winterlichem Regenschutz. Sicherlich funktioniert aber vieles auch in einem hochdrainierten Beet ohne Regenschutz. Sehr empfehlenswert sind solche Arten auch für den leichten Dachüberstand am Rande von Traufenpflaster, wie er häufig in den Gärten anzutreffen ist. Anstatt hier gegen den braunen Rasen anzukämpfen kann man sich an üppig blühenden und sehr häufig duftenden Blumen erfreuen.

Winterschutz BananeUnser Winterschutz der Banane (Musa basjo) sieht folgendermaßen aus: die Staude erhält nach den ersten leichten Nachtfrösten eine Ummantelung aus Holzbauplatten. Diese “Kiste”, wie wir sie liebevoll nennen, wird bis oben hin mit Rindenhäcksel aufgefüllt. Oben kommt zum Abschuss noch eine Plane zum Schutz gegen Feuchtigkeit darüber. Durch die Verrottungswärme der Rinde können die Scheinstämme in vollem Umfang erhalten werden. Die Rinde dient im Frühjahr als Mulch für die Pflanzflächen. Ob sich dieser große Aufwand lohnt ist eine andere Frage, denn auch mit nur einer halben Meter dicken Mulchschicht aus Grünschnitt und Laub, sowie einer Abdeckung gegen Nässe, kommt eine japanische Faserbanane über den Winter. Die erfrorenen Scheinstämme regenerieren sich bei ausreichenden Wasser- und Düngergaben sehr schnell wieder aus dem Rhizom. Da wir aber doch schon auf 540 m Seehöhe liegen und von Natur aus sehr ungeduldig sind, schützten wir unsere Banane derart umfangreich.

Tulipa schrenkiiFrostempfindliche Zwiebel- und Knollenpflanzen, die ja im Grunde auch Stauden sind, pflanzt man am besten sehr tief. So braucht man später keinen Gedanken an den Schutz derselben zu verschwenden. Bei manchen Arten (auch bei frostharten!) ist auf eine gute Drainage unterhalb der Knollen zu achten, da sie im Winter keine Nässe vertragen.

Palmen müssen in unseren Breiten gut geschützt werden um die Winter zu überstehen. Sehr vorteilhaft ist eine dicke Mulchschicht, besonders bei noch nicht voll etablierten Exemplaren. Zu kleinen Pflanzen wird ein Stab gesteckt, um die Blätter aufzubinden. Bei großen Pflanzen kann der Stab direkt am Stamm befestigt werden. Alle Blätter werden nach oben zusammen gebunden, so dass eine schlanke Säule entsteht. So kann die Pflanze einfach mit dickem Vlies eingewickelt werden. Unsere große Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) erhält zusätzlich einen BigBag über die Blattkrone, um Feuchtigkeit fern zu halten. Dieser Schutz hat bisher sehr gut funktioniert, allerdings leidet diese Palme an ihrem zu trockenen und windigen Standort.

Viele Kakteen und Sukkulenten benötigen in den hier üblichen, feuchten Wintern einen vor starken Niederschlägen geschützten Pflanzplatz.
Da ich meinen Kakteen und Sukkulentengarten auf freier Fläche angelegt habe, schütze ich großflächig mit einem Regendach. Dieses sollte möglichst viel Licht an die Pflanzen kommen lassen und Luftzirkulation ermöglichen. Durch eine solche Konstruktion lassen sich unglaublich viele Kakteen und Sukkulenten im Garten halten.
Viele Arten, vor allem unter den Palmlilien (Yucca) und Ohrenkaktus (Opuntia), kann man auch völlig ohne Schutz kultivieren. Agaven und Kugelkakteen (Echinocereus, Escobaria, ...) empfehle ich grundsätzlich möglichst vor Niederschlägen zu schützen, obwohl es auch hier Arten gibt, welche als absolut winterhart gelten - vorausgesetzt der Standort ist optimal gewählt. Absolut sonnige Lage und bestens drainiertes, mineralisches Substrat ist nötig. Bei Agaven soll leicht schräges Einpflanzen Vorteile bringen. Natürlich kann man immer noch bei extremer Kälte und Niederschlägen vorübergehend schützen.

Weitere Details zum Regenschutz für Kakteen und Sukkulenten finden Sie im speziellen Wüstengarten-Teil.

Bilder unseres Winterschutzes finden Sie im Fotoalbum “Winterschutz”

Gerhard Gußmagg

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© Gerhard Gußmagg 2008-2014